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Innere Unruhe im Herbst und in den Wechseljahren

vor 6 Stunden
5 Min. Lesezeit

Wie Yoga und Ayurveda dein Nervensystem beruhigen



Wenn du einen Blick nach draußen wirfst, dann kannst du schon ganz deutlich die Zeichen des Jahreszeitenwechsels erkennen. Noch ein paar warme Tage , du spürst, wie schwer es fällt, sich vom Spätsommer zu verabschieden , aber du siehst, wie sich die Blätter langsam anfangen zu färben, von einem satten Grün hin zu einem leuchtenden Rot-Gelb. Ich habe schon die ein oder andere Kastanie vom Baum fallen sehen, und gefühlt lese ich seit dem 1. September nur noch Gilmore-Girls-Referenzen, wir reden hier über die Herbstserie überhaupt.


Dieser Wandel, den wir im Außen beobachten können, zeigt sich manchmal auch im Inneren. Es gibt Zeiten, in denen die Gedanken mehr kreisen, der Schlaf leicht ist und es schwerfällt, am Abend abzuschalten. Und nicht nur in Wechsel der Jahreszeiten können wir das. Auch in Lebenszeiten kennen wir diesen Wechsel in der Menopause. Ayurveda gibt es genau dafür ein Bild, das erstaunlich genau beschreibt, was im Außen und im Innen geschieht: Es ist die Zeit, in der Vata zunimmt. Was ist Vata? Das Bewegungsprinzip im Ayurveda


Vata ist im ayurvedischen Denken eines der drei Doshas, der grundlegenden Kräfte, die unseren Organismus steuern. Neben Vata gibt es noch Pitta und Kapha, die sich aus den fünf Elementen zusammensetzen und denen unterschiedliche Eigenschaften zugesprochen werden. Vata setzt sich aus den Elementen Äther und Luft zusammen und steht somit für das Bewegungsprinzip. Vata bedeutet im Sanskrit Wind und leitet sich vom Wortstamm „va“ ab, was wiederum wehen, fließen, bewegen bedeutet. Im Ayurveda wird Vata allem zugeordnet, das im Fluss ist, das sich transportieren und weiterleiten lässt: Ausscheidungen, der weibliche Zyklus, Blut, Lymphflüssigkeit, die Atmung und auch das Nervensystem. Vata wacht sozusagen über die Nervenimpulse und ist somit jene Kraft, die das Nervensystem reguliert.


Wenn Vata aus dem Gleichgewicht gerät


Vata trägt die Eigenschaften trocken, kalt und rau, aber auch leicht, fein und beweglich in sich. Solange Vata ausgeglichen ist, schenken uns diese Qualitäten Kreativität und Beweglichkeit im Körper und im Geist. Bei einer Vata-Störung, also einem Zuviel, kippt diese Leichtigkeit in Rastlosigkeit, in das Gefühl der Reizüberflutung und in eine allgemeine Unruhe.


Warum Herbst und Wechseljahre die Vata-Zeit sind


Der Herbst ist geprägt von Vata: kühl, windig, trocken und wechselhaft. Vielleicht fallen dir diese Qualitäten noch woanders auf? Genau: Auch in den Wechseljahren treffen wir auf diese Qualitäten. Die Kindheit, als die Zeit der Fülle, wird dem Kapha-Dosha zugeschrieben, während das mittlere Erwachsenenalter, die Zeit des Tatendrangs, als Zeit von Pitta beschrieben wird. Das hohe Erwachsenenalter und auch die Zeit in den Wechseljahren ist die Vata-Zeit und so kann es passieren, dass die Vata-Lebenszeit auf die Vata-Jahreszeit trifft und wir diese besonders stark spüren.


Woran du einen Vata-Überschuss erkennst


Wie sich dieser Überschuss zeigt, ist natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wir können ihn als innere Unruhe spüren, als erhöhte Wachsamkeit, als das Gefühl, sich schwer konzentrieren zu können, oder als wechselhaften Schlaf, gerne auch als das Aufwachen zwischen 3 und 4 Uhr morgens. (Wie tiefe Entspannungstechniken deinem Nervensystem helfen, habe ich übrigens hier verfasst).


Körperlich können wir eine Trockenheit auf der Haut und in den Gelenken spüren, eine Steifigkeit im Bewegungsapparat, kalte Gliedmaßen und eine wechselhafte Verdauung. Der ayurvedische Weg ins Gleichgewicht folgt dem Grundsatz der Gegensatzpaare. Trockenheit will ich mit Feuchtigkeit und Öl ausgleichen. Beweglichkeit mit Stabilität. Wo es leicht und beweglich ist, wirke ich mit Erdung entgegen. Und wo Rastlosigkeit in den Vordergrund rückt, wirke ich mit Routine entgegen.


Yoga bei innerer Unruhe: eine ruhige, erdende Praxis


Wenn ich das in der Yogapraxis anwende, dann wende ich mich ab vom schnellen Vinyasa Yoga. Ich verlangsame meine Praxis. Sie wird ruhig und erdend, die Haltungen werden länger gehalten. Bodennahe Haltungen vermitteln das Gefühl von Stabilität, sanfte Vorbeugen helfen bei der Einkehr, und Balance-Haltungen bringen uns wieder – ja – ins Gleichgewicht.


Ein weiterer Schlüssel liegt in der Atmung. Über sie nehmen wir Einfluss auf das autonome Nervensystem, den Teil, der zwischen Anspannung und Entspannung vermittelt. Eine langsame Atmung, die bewusst die Ausatmung verlängert, stimuliert den Parasympathikus, also jenen Teil des Nervensystems, der uns Ruhe und Regeneration schenkt. Atemtechniken, die das unterstützen, sind die Wechselatmung oder ein sanftes Summen im Ausatmen bei Bhramari Pranayama. Da Vata das Prinzip von Äther ist, liebt es im Allgemeinen den Klang. Alles Tönen hilft also bei der Regulierung von Vata.


In meiner Videothek biete ich viele Yoga-Videos an, um eine Routine für deine Yogapraxis zu entwickeln
In meiner Videothek biete ich viele Yoga-Videos an, um eine Routine für deine Yogapraxis zu entwickeln

Gewohnheiten für den Alltag, die Vata beruhigen


Aber auch neben der Matte können wir uns Gewohnheiten aneignen, die Vata beruhigen: warmes, leicht verdauliches Essen, warme statt kalte Getränke. Alle Stimulanzien sind Vata-fördernd, also leider auch der Kaffee. Meine Lehrerin sagte in der Fortbildung: Alles von Kokain bis Kaffee ist nicht gut bei einem Vata-Überschuss. Auch eine sanfte Selbstmassage mit warmem Sesamöl tut gut (am besten vor dem Duschen, denn das Öl soll nicht auf dem Körper bleiben). Ganz besonders wichtig für die Vata-Regulierung ist die Regelmäßigkeit. Regelmäßige Zeiten für das Essen und den Schlaf sind äußerst förderlich. Ebenso würde ich eine feste Zeit für die eigene Yogapraxis einbauen.


Die drei Grundprinzipien der Vata-Regulierung


1. Wärme: Vata ist kalt und trocken, also brauchen wir warme, ölige und gut verdauliche Speisen. Wärmende Kleidung hilft genauso wie wärmende Getränke.


2. Erdung: Vata ist leicht und beweglich, daher brauchen wir Erdung, zum Beispiel durch Bodenkontakt. Eine sanfte Yogapraxis kann dich dabei unterstützen, ebenso eine bewusst geführte Atmung.


3. Rhythmus: Unregelmäßigkeit ist pures Gift für Vata. Du brauchst feste Zeiten für den Schlaf und das Essen und – wenn es geht – für deine Bewegung. Wiederkehrende Rituale helfen deinem Nervensystem, sich wieder zu stabilisieren.


Ein ausgleichender Tagesablauf – ein Beispiel für dich


Manchmal versteht man ein Konzept kognitiv und es fällt trotzdem schwer, in die Umsetzung zu kommen. Deshalb möchte ich dir exemplarisch einen Beispieltag skizzieren, der Vata ausbalanciert und somit auch dein Nervensystem reguliert.


Früh am Morgen: Versuche, immer zur gleichen Zeit aufzustehen. Nach der Mundhygiene trinkst du ein warmes Glas Wasser.


Frühstück: ein warmes, gekochtes Frühstück wie Porridge mit Gewürzen wie Zimt oder Nelken statt kaltem Brot mit Rohkost.


Vormittag: eine kurze Atemtechnik zwischen zwei Telefonaten.


Mittag: die Hauptmahlzeit, warm und leicht verdaulich. Beim Essen keine Ablenkung wie Handy oder Lesen. Am besten auch nicht reden – einfach die Achtsamkeit auf das Essen lenken.


Nach der Arbeit: eine erdende Yogapraxis, zum Beispiel eine Umkehrhaltung wie Beine an die Wand. Ein leichtes Abendessen wie eine Suppe – auch hier ein warmes Essen bevorzugen.


Zur Nachtruhe: Versuche auch hier, eine feste Zeit zu finden, zu der du dich schlafen legst. Ohne Handy ins Bett – und beende möglichst schon eine Stunde vor dem Schlafengehen die Zeit am Bildschirm.


Fang klein an


Bei allem, was ich nun gesagt habe: Versuche, es pragmatisch anzugehen. Du musst nicht gleich dein ganzes Leben auf den Kopf stellen. Vielleicht fängst du mit einer Sache an, dem Glas Wasser am Morgen zum Beispiel. Mache das eine Woche lang und schaue, was sich verändert. Ich empfehle ja immer ein kleines Notizbuch, in dem du aufschreiben kannst, was du wahrnimmst. Und wenn du das erste Ritual für dich etabliert hast, machst du mit der zweiten Sache weiter und ergänzt nach deinem Glas warmen Wasser noch eine kleine Atemtechnik. So entwickelst du nach und nach Rituale, die für dich passen und dich unterstützen.


Möchtest du mit mir praktizieren?


Wenn du dich in diesem Artikel gesehen fühlst und das Gefühl hast, dass dein Nervensystem gerade durcheinander ist und du dich nach Ruhe und Erdung sehnst, dann lade ich dich ein, mit mir zu praktizieren.

Samstag, den 12. September

9 bis 10 Uhr

Yogapraxis: Geerdet in den Herbst


Hier kannst du dich anmelden: Zur Anmeldung

Es erwartet dich eine erdende und sanfte Yogapraxis mit vielen Tipps für den Alltag. Falls du nicht live dabei sein kannst, melde dich trotzdem an – du bekommst die Aufzeichnung zugeschickt und kannst diese Stunde dann für dich nachholen. Für alle Mitglieder bei Yoga mit Stefanie wird die Aufzeichnung natürlich in die Videothek übertragen.

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